Ferritin & Blutwerte10 Min. Lesezeit

Eisenwert im Blutbild: Serumeisen, Ferritin, Transferrin

Serumeisen, Ferritin und Transferrin messen drei verschiedene Dinge. Was jeder Wert anzeigt, welche Richtwerte gelten und wie Sie die häufigsten Kombinationen auf dem Befund lesen.

Leena Bloom
Autorin: Leena Bloom·Geprüft von: FerraBloom Redaktion
Veröffentlicht:
Eisenwert im Blutbild: Serumeisen, Ferritin, Transferrin
Inhalt
  1. Was ist der Unterschied zwischen Serumeisen und Ferritin?
  2. Eisenwert im Blutbild: Was messen die einzelnen Werte?
  3. Warum reicht das Serumeisen allein nicht aus?
  4. Was ist die Transferrinsättigung und wie wird sie berechnet?
  5. Ferritin und Serumeisen niedrig: Was bedeutet das?
  6. Wie liest man die häufigsten Kombinationen der Eisenwerte?
  7. Ferritin niedrig, Serumeisen normal: Was tun?
  8. Welche Fragen sollte ich zu meinen Eisenwerten stellen?
  9. Wann Sie zum Arzt gehen sollten
  10. Häufige Fragen
  11. Quellen
Kurz gesagt
  • Das Serumeisen zeigt das Eisen, das gerade im Blut unterwegs ist, das Ferritin zeigt die Speicher: Ob Ihnen Eisen fehlt, verrät vor allem das Ferritin.
  • Das Serumeisen schwankt im Tagesverlauf und steigt nach einer Mahlzeit oder einer Eisenkapsel, ein einzelner Wert sagt daher wenig.
  • Die Transferrinsättigung gibt an, wie stark das „Transportfahrzeug“ für Eisen beladen ist: Unter 20 % spricht sie für wenig verfügbares Eisen.
  • Referenzbereiche unterscheiden sich von Labor zu Labor: Vergleichen Sie Ihren Wert immer mit dem Bereich, der auf Ihrem Befund daneben steht.

Auf dem Laborbefund stehen drei Zeilen, die scheinbar dasselbe sagen: Eisen, Ferritin, Transferrin. Ein Wert ist niedrig, einer normal, beim dritten steht ein Sternchen. Und Sie fragen sich, welcher davon eigentlich zählt.

Die Eisenwerte im Blut sind leichter zu verstehen, als der Befund vermuten lässt: Das Serumeisen ist das Eisen „im Umlauf“, das Ferritin ist das Eisen „im Lager“, und Transferrin ist der Lastwagen, der es transportiert. Übrigens gehören diese Werte nicht automatisch zum kleinen Blutbild. Wer den Eisenwert im Blutbild sucht, findet dort meist nur Hämoglobin und MCV, Ferritin muss eigens angefordert werden. Hier erfahren Sie, was jeder Wert misst und welche Referenzbereiche für Frauen üblich sind. Danach kommt der Teil, der wirklich hilft: wie man die Kombinationen auf dem Befund liest.

Eisenwert im Blutbild: Serumeisen, Ferritin, Transferrin
Sechs Werte, sechs verschiedene Fragen: Lesen Sie sie immer zusammen und mit dem Referenzbereich Ihres Labors.

Was ist der Unterschied zwischen Serumeisen und Ferritin?

Das Serumeisen misst, wie viel an Transferrin gebundenes Eisen genau in diesem Moment im Blut kreist. Das Ferritin zeigt indirekt, wie viel Eisen Sie in Ihren Speichern haben, vor allem in der Leber. Der erste Wert ändert sich von Stunde zu Stunde, der zweite spiegelt Wochen und Monate wider.[1][3]

Ein Vergleich, der hilft: Das Serumeisen ist das Bargeld, das Sie heute Morgen im Geldbeutel haben, das Ferritin ist der Kontostand. Ein paar Scheine in der Tasche sind auch bei fast leerem Konto möglich, und umgekehrt. Um zu beurteilen, ob die Speicher niedrig sind, schauen Ärztinnen und Ärzte deshalb zuerst auf das Ferritin. Die Empfehlungen der European Hematology Association sprechen ab einem Ferritin unter 30 ng/ml von Eisenmangel, auch wenn das Hämoglobin normal ist.[2]

Eisenwert im Blutbild: Was messen die einzelnen Werte?

Zum Eisenstatus gehören meist Serumeisen, Ferritin, Transferrin und Transferrinsättigung, manchmal auch die totale Eisenbindungskapazität (TEBK). Gelesen werden sie zusammen mit dem Blutbild (Hämoglobin, MCV) und dem CRP, das zeigt, ob eine Entzündung das Ferritin verfälscht.

Eisenwerte im Blut: was sie messen und übliche Richtwerte für erwachsene Frauen
WertWas er misstRichtwert*
SerumeisenAn Transferrin gebundenes Eisen im Blut, zum Zeitpunkt der Abnahmeetwa 50–170 µg/dl (ca. 9–30 µmol/l)
FerritinEisenspeicher (steigt auch bei Entzündung)etwa 15–150 ng/ml (= µg/l)
TransferrinTransporteiweiß für Eisen; steigt, wenn Eisen knapp wirdetwa 2,0–3,6 g/l (200–360 mg/dl)
TransferrinsättigungAnteil des Transferrins, der mit Eisen beladen istetwa 20–45 %
TEBK (TIBC)Gesamte Fähigkeit des Blutes, Eisen zu bindenetwa 250–450 µg/dl
HämoglobinEiweiß der roten Blutkörperchen, das Sauerstoff transportiertab 12 g/dl (WHO)
MCVMittleres Volumen der roten Blutkörperchenetwa 80–100 fl
CRPEntzündungsmarkermeist unter 5 mg/l

*Die Bereiche hängen vom Labor, von der Messmethode und von der Einheit ab. Deutsche und österreichische Labore geben Serumeisen teils in µg/dl, teils in µmol/l an, Ferritin in ng/ml oder µg/l (beides ist dasselbe). Maßgeblich ist immer der Bereich auf Ihrem Befund. Für Hämoglobin gilt die WHO-Grenze von 12 g/dl für nicht schwangere Frauen.[5]

Warum reicht das Serumeisen allein nicht aus?

Das Serumeisen allein reicht nicht, weil es stark schwankt: Morgens ist es höher als abends, nach einer eisenreichen Mahlzeit oder einer Eisenkapsel steigt es für einige Stunden, und bei einem Infekt fällt es. Zwei Blutabnahmen im Abstand weniger Tage können sehr unterschiedliche Zahlen liefern.[3]

Ein konkretes Beispiel: Sie nehmen um 8 Uhr eine Eisenkapsel und lassen um 10 Uhr Blut abnehmen. Das Serumeisen kann dann normal oder sogar hoch ausfallen, obwohl die Speicher fast leer sind. Das Ferritin reagiert auf diese einzelne Dosis dagegen nicht. Ein normales Serumeisen schließt einen Mangel also nicht aus, und ein niedriges Serumeisen allein beweist ihn nicht.

Tipp: Wenn Sie ein Eisenpräparat nehmen, fragen Sie in der Praxis oder im Labor, ob Sie es am Tag vor der Blutabnahme weglassen sollen. Lassen Sie morgens und nüchtern Blut abnehmen, möglichst nicht während oder direkt nach einer Erkältung.

Was ist die Transferrinsättigung und wie wird sie berechnet?

Die Transferrinsättigung gibt in Prozent an, welcher Anteil des Transferrins gerade Eisen trägt. Man teilt das Serumeisen durch die TEBK und multipliziert mit 100. Ein Wert unter 20 % spricht für wenig verfügbares Eisen, ein Wert dauerhaft über 45 % kann auf einen Überschuss hinweisen.[2][3]

Beispiel: Serumeisen 45 µg/dl und TEBK 420 µg/dl. 45 geteilt durch 420 ergibt 0,107, also eine Sättigung von rund 11 %. Das Transferrin fährt praktisch leer durch die Gegend. Viele Labore berechnen die Sättigung direkt aus Serumeisen und Transferrin, deshalb stehen auf manchen Befunden nur diese beiden Werte plus die Sättigung.

Wird Eisen knapp, bildet die Leber mehr Transferrin, um jedes verfügbare Atom einzufangen. Deshalb ist bei Eisenmangel das Transferrin oft hoch und die Sättigung niedrig.

Ferritin und Serumeisen niedrig: Was bedeutet das?

Sind Ferritin und Serumeisen beide niedrig, vor allem bei hohem Transferrin und einer Sättigung unter 20 %, ist das das typische Bild eines Eisenmangels. Liegt auch das Hämoglobin unter 12 g/dl und ist das MCV niedrig, prüft die Ärztin oder der Arzt eine Eisenmangelanämie.[2][4]

Die häufigsten Gründe bei Frauen sind starke Regelblutungen, Schwangerschaft, eine Ernährung mit wenig gut verwertbarem Eisen und Aufnahmestörungen im Darm. Die Ärztin oder der Arzt sucht die Ursache und legt das Vorgehen fest, oft mit Eisen zum Einnehmen und einer Kontrolle nach 8–12 Wochen. Ist das Hämoglobin bereits gesunken, lesen Sie weiter im Artikel über die Eisenmangelanämie.

Lesen Sie auchEisenmangelanämie: Symptome, Werte, Ursachen und Dauer

Wie liest man die häufigsten Kombinationen der Eisenwerte?

Eisenwerte liest man als Kombination, nicht einzeln. Die Tabelle fasst die Muster zusammen, die auf Befunden von Frauen am häufigsten vorkommen. Sie hilft beim Verstehen und beim Fragenstellen, nicht bei einer Selbstdiagnose.

Häufige Kombinationen der Eisenwerte und mögliche Deutungen
FerritinSerumeisenTransferrin / SättigungHämoglobinMögliche Bedeutung
NiedrigNormalNormal oder Transferrin hochNormalSpeicher sinken, Eisenmangel ohne Anämie
NiedrigNiedrigTransferrin hoch, Sättigung <20 %NormalFortgeschrittener Eisenmangel
NiedrigNiedrigTransferrin hoch, Sättigung <20 %Niedrig, MCV niedrigPasst zu einer Eisenmangelanämie
Normal oder hochNiedrigTransferrin normal oder niedrig, Sättigung <20 %Normal oder niedrigEntzündung, die Eisen in den Speichern festhält; CRP meist erhöht
HochHochSättigung >45 %NormalMöglicher Eisenüberschuss, abklären lassen
NormalNiedrigNormalNormalOft nur eine Tagesschwankung des Serumeisens; Kontrolle

Ferritin normal, aber CRP erhöht

Bei einer Entzündung steigt das Ferritin, auch wenn die Speicher knapp sind. Die EHA-Empfehlungen raten deshalb, bei Entzündung einen Eisenmangel auch bei Ferritin bis 100 ng/ml in Betracht zu ziehen, wenn die Sättigung unter 20 % liegt.[2] Ein „normales“ Ferritin bei hohem CRP ist also mit Vorsicht zu lesen.

Ferritin hoch

Dafür gibt es ganz unterschiedliche Gründe, von Entzündungen über eine Fettleber bis zur Hämochromatose. Alles Wichtige dazu steht im Artikel Ferritin zu hoch.

Eisenwert im Blutbild: Serumeisen, Ferritin, Transferrin
Hülsenfrüchte, Fleisch und etwas Vitamin C in derselben Mahlzeit: die Ernährungsbasis für die Eisenspeicher.

Ferritin niedrig, Serumeisen normal: Was tun?

Ein niedriges Ferritin bei normalem Serumeisen bedeutet meist, dass die Speicher schrumpfen, das zirkulierende Eisen aber vorerst noch reicht. Das ist bei Frauen im gebärfähigen Alter mit Müdigkeit oder dünner werdendem Haar die häufigste Situation. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über die Ursache und darüber, ob eine Ergänzung sinnvoll ist.[2]

Die praktischen Stellschrauben, am besten ärztlich abgestimmt:

  • Ernährung: öfter Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte und Samen, dazu Vitamin C in derselben Mahlzeit,
  • Tee und Kaffee mit Abstand zu den Hauptmahlzeiten, mindestens eine Stunde davor oder danach,
  • Eisenergänzung, wenn das Ferritin klar niedrig ist, mit einer Kontrolle nach 8–12 Wochen,
  • Ursache: starke Blutungen, Ernährung oder Darmprobleme sollten abgeklärt und nicht nur ausgeglichen werden.

Bei der Eisenform zählen vor allem Verträglichkeit und Regelmäßigkeit. Klassische Salze wie Eisensulfat schlagen häufig auf den Magen. Es gibt Formen, die magenschonender gedacht sind, etwa Eisenbisglycinat und liposomales Eisen. Den ausführlichen Vergleich finden Sie im Artikel Welches Eisen ist das richtige?

Eisen trägt zur normalen Bildung von roten Blutkörperchen und Hämoglobin sowie zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei. Wenn Sie schwanger sind, stillen oder Medikamente nehmen, fragen Sie vor jeder Nahrungsergänzung Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Welche Fragen sollte ich zu meinen Eisenwerten stellen?

Mit ein paar notierten Fragen läuft das Gespräch anders. Diese helfen, den Befund zu verstehen:

  1. Liegt mein Ferritin über oder unter 30 ng/ml? Reicht das in meiner Situation?
  2. Wie hoch ist meine Transferrinsättigung?
  3. Ist das CRP normal, oder könnte eine Entzündung das Ferritin verfälschen?
  4. Habe ich einen Eisenmangel ohne Anämie oder schon eine Anämie?
  5. Was ist die wahrscheinliche Ursache, und braucht es weitere Untersuchungen (Zöliakie, gynäkologische Kontrolle)?
  6. Wann und welche Werte kontrollieren wir erneut?

Zusätzliche Hilfe bietet unser kostenloser 20-seitiger Ferritin-Ratgeber mit einem Blatt, in das Sie Ihre eigenen Werte eintragen können.

Lesen Sie auchFerritin zu niedrig? Normalwerte bei Frauen, Ursachen und was hilft

Wann Sie zum Arzt gehen sollten

  • Ferritin unter 30 ng/ml, mit oder ohne Beschwerden,
  • Hämoglobin unter 12 g/dl,
  • Transferrinsättigung dauerhaft über 45 % oder hohes Ferritin,
  • sehr starke Regelblutungen oder ungewöhnliche Blutungen,
  • Schwangerschaft, Stillzeit, chronische Erkrankungen oder regelmäßige Medikamente,
  • Werte, die sich nach einigen Monaten Eisenergänzung nicht bessern.

Häufige Fragen

Sind Serumeisen und Ferritin dasselbe?

Nein. Das Serumeisen misst das an Transferrin gebundene Eisen, das in diesem Moment im Blut kreist. Das Ferritin spiegelt die angelegten Eisenspeicher wider. Das Serumeisen schwankt über den Tag und nach dem Essen, das Ferritin ist stabiler. Für die Frage nach einem Eisenmangel ist das Ferritin der aussagekräftigere Wert.

Welche Eisenwerte sind bei Frauen normal?

Viele Labore geben für erwachsene Frauen beim Serumeisen etwa 50–170 µg/dl an, beim Ferritin etwa 15–150 ng/ml und bei der Transferrinsättigung 20–45 %. Die Grenzen hängen von der Methode ab, maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund. Ein einzelner Ausreißer wird immer zusammen mit den anderen Werten beurteilt.

Kann das Serumeisen niedrig und das Ferritin normal sein?

Ja. Das kommt bei einer Entzündung oder einem Infekt vor, wenn der Körper Eisen in den Speichern zurückhält, oder einfach durch eine Tagesschwankung. Dann schaut die Ärztin oder der Arzt auf CRP und Transferrinsättigung und lässt die Werte oft nach einigen Wochen erneut bestimmen.

Was bedeutet ein hohes Transferrin?

Ein hohes Transferrin zeigt oft, dass der Körper mehr Eisen einfangen möchte, weil er zu wenig hat. Typisch ist das bei Eisenmangel, besonders zusammen mit niedrigem Ferritin und einer Sättigung unter 20 %. Erhöht sein kann es auch in der Schwangerschaft und bei Einnahme der Pille.

Muss man für die Eisenwerte nüchtern sein?

Für das Serumeisen ja: Empfohlen ist eine Blutabnahme am Morgen und nüchtern, weil Essen und Präparate den Wert für einige Stunden anheben. Das Ferritin hängt weniger von der Mahlzeit ab. Vermeiden Sie die Blutabnahme auch während eines Infekts, der Serumeisen und Ferritin verändert.

Quellen

  1. WHO. Guideline on use of ferritin concentrations to assess iron status in individuals and populations. Geneva, 2020. who.int
  2. Iolascon A et al. Recommendations for diagnosis, treatment and prevention of iron deficiency and iron deficiency anaemia. HemaSphere. 2024;8(7):e108. doi.org
  3. Camaschella C. Iron-deficiency anemia. N Engl J Med. 2015;372(19):1832–1843. doi.org
  4. Pasricha SR, Tye-Din J, Muckenthaler MU, Swinkels DW. Iron deficiency. Lancet. 2021;397(10270):233–248. doi.org
  5. WHO. Guideline on haemoglobin cutoffs to define anaemia in individuals and populations. Geneva, 2024. who.int

Der Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Sprechen Sie vor der Einnahme von Eisenpräparaten mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke.

Leena Bloom

Leena Bloom

Beraterin für Nahrungsergänzungsmittel

Beraterin für Nahrungsergänzungsmittel und Gesicht der Marke FerraBloom. Sie schreibt über Eisen, Ferritin und gesunde Haare auf Basis aktueller Leitlinien und Studien. Jeden Text prüft die FerraBloom Redaktion. Alle Artikel · Redaktionelle Richtlinien

Ähnliche Artikel

Kümmern Sie sich um Ihre Eisenspeicher

Feritin+ mit liposomalem Eisen. 2 + 1 gratis für 90 Tage und kostenloser Versand.

Zum Angebot
Feritin+ · 75,80 €2 + 1 gratis · kostenloser Versand
Ansehen